Do, 4. August 2005: „L’Ultimo Bacio“

Die Geschichte aller Liebesgeschichten

30-jährige treffen ihre Lolita und 50-jährige werden zum Kiffen animiert. Ein letzter Kuss, bevor die Flucht vor der Verantwortung, vor dem Altern und vor sich selbst beginnt. Dazu süffige italienische Musik und fertig ist die Geschichte aller Liebesgeschichten.

Carlo (Stefano Accorsi) ist schon lange mit Giulia (Giovanna Mezzogiorno) zusammen. Sie möchte nichts sehnlicher als ihren Carlo heiraten. Dieser möchte eigentlich auch, doch er kriegt kalte Füsse ob der drohenden Bindung und der damit verbundenen Verantwortung. Da kommt ihm die 18-jährige Schülerin Francesca (Martina Stella) gerade recht. Ihr begegnet er auf der Hochzeit eines Freundes und findet in ihr seine Lolita. Vorerst wird jedoch bloss das Baumhaus im Garten bestiegen. Adriano (Giorgio Pasotti) und Livia (Sabrina Impacciatore) sind bereits verheiratet und haben auch schon Nachwuchs. Doch Adriano hat seine liebe Mühe mit den Vaterpflichten. Zudem scheint seine Frau wie verwandelt, seit das Baby da ist. Wie sehr er sich auch anstrengt, Livia findet immer einen Grund zum Streiten. Ein Piercing soll ihm fürs Erste Trost bringen. Anna (Stefania Sandrelli), die Mutter von Giulia, ist schon ihr halbes Leben mit Emilio (Luigi Diberti) zusammen. Dieser lässt sich aber lieber vom Fernseher unterhalten als von seiner Frau. Auch ein Seitensprung lässt ihn nicht aus seiner Ruhe und Sprachlosigkeit bringen. Paolo (Claudio Santamaria) schliesslich soll das Geschäft seines im Sterben liegenden Vaters übernehmen. Doch er hat keine Lust, den Rest seines Lebens Jesusfiguren zu verkaufen. So schlägt er die Flucht aus dem bürgerlichen Leben per Camper vor. Auch Adriano und Alberto (Marco Cocci), für den Treue eine Utopie ist, lässt sich dazu überreden.

 

     


In «L'ultimo bacio» ist es Regisseur Gabriele Muccino gelungen, ein sehr attraktives und bekanntes Ensemble zusammenzustellen. Gewann doch Stefano Accorsi für seine Rolle in «Le Fate Ignoranti» den Golden Globe. Daneben spielte er auch in «La Stanza del Figlio» von Nanni Moretti. Stefania Sandrelli zählt zu den bekanntesten Schauspielerinnen Italiens und gewann mehrere Auszeichnungen für ihre Rolle der Anna in «L'ultimo bacio».

Auch Giovanna Mezzogiorno ist kein unbekanntes Gesicht. So sah man sie neben Gérard Dépardieu und John Malkovich in «Les Misérables».

«L'ultimo bacio» ist ein Stück italienische Lebenskultur. Halbherzige Liebe gibt es dabei nicht. Geliebt wird mit jeder Faser des Körpers, mit voller Leidenschaft, auf Gedeih und Verderb. Die totale Liebe. Doch das kann auch ins Gegenteil umschlagen. Und schon denkt man daran, der ganzen Welt den Rücken zu kehren. Der Film ist hektisch, laut und emotionsgeladen. Würde man es anders erwarten? Den Gefühlen wird erbarmungslos Gehör verschafft. Geschrei und Gezeter, dass die Wände wanken. Daneben besitzt er aber auch seine ruhigen Momente. Nachdenklichkeit und Trauer verdrängen bisweilen das Hektische, das Laute. Eine Achterbahn der Gefühle eben. Keine Spur von Ausgeglichenheit. Dann, in der Ruhe, erinnert «L'ultimo bacio» stark an die italienischen Klassiker der 50er- und 60er-Jahre. Die Musik trägt das ihre dazu bei: Opulent, melancholisch, süffig, fast opernhaft kommt sie daher und zieht den Zuschauer in ihren Bann. Lässt ihn erst wieder los, als die Filmrolle zu Ende ist.

Doch der Film hat auch seine Schwachpunkte. So ist das Gesellschaftsbild vielleicht doch etwas gar patriarchalisch gezeichnet. Der Mann kann sich danach alles erlauben die Frau hält es ohne ihn ja doch nicht aus. Überraschungen hat der Film nicht wirklich zu bieten, dafür lullt er den Zuschauer mit seiner Stimmung ein. Als würde man eintauchen in das Dolce Vita Italiens. Trotzdem unbedingt schauen gehen!

 

 

 

    

 

 

Originaltitel:                        L’Ultimo Bacio (Komödie)

 

Format:                                Scope

 

Tonformat:                          Dolby Digital

 

Filmlänge:                           115 min

 

Produktionsland:              Italien

 

Besetzung:                         Stefano Accorsi, Giovanna Mezzogiorno, Stefania Sandrelli, Marco Cocci, Pierfrancesco Favino, Sabrina Impacciatore, Regina Orioli, Giorgio Pasotti, Daniela Piazza, Claudio Santamaria, Martina Stella, Luigi Diberti, Piero Natoli, Vittorio Amandola, Alberto Alemanno, María Dolores Genolini

 

Regie:                                   Gabriele Muccino

 

Verleih:                                Frenetic Films

 

Release:                              2002